
Was sich ändern soll
Wer sich einen digitalen Assistenten für wiederkehrende Aufgaben eingerichtet hat, möchte ihn nicht bei jeder größeren Produktänderung neu aufbauen müssen. In den Anweisungen, hinterlegten Unterlagen und erprobten Abläufen kann erhebliche Arbeit stecken.
Umso wichtiger ist die Nachricht, dass OpenAI seine sogenannten Custom GPTs einstellen will. Die Ankündigung ist offiziell: In den ChatGPT-Versionshinweisen vom 11. September 2026 beschreibt das Unternehmen den geplanten Wechsel über die verschiedenen ChatGPT-Tarife hinweg. Als Nachfolger sind Plugins vorgesehen, die wiederverwendbare Anweisungen mit angebundenen Anwendungen verbinden können. [1]
Dabei geht es nicht um das Ende von ChatGPT. Betroffen ist die bisherige Form der individuell eingerichteten Assistenten innerhalb der Plattform.
Für mich stellen sich dazu zwei Fragen: Was verbessert sich durch die neue Lösung? Und können diejenigen, die bereits mit einem spezialisierten GPT arbeiten, ihre bisherigen Aufgaben anschließend genauso zuverlässig erledigen?
Was mit „GPTs“ in diesem Zusammenhang gemeint ist
Custom GPTs sind für bestimmte Zwecke konfigurierte Varianten von ChatGPT. Sie können eigene Verhaltensanweisungen, Wissensdateien und ausgewählte Funktionen enthalten. Dazu kommen gegebenenfalls Verbindungen zu externen Diensten. OpenAI beschreibt diese Bestandteile in seiner am 9. Oktober 2026 geprüften Produktdokumentation. [3]
Ein solcher Assistent könnte beispielsweise nach festgelegten Regeln Texte überarbeiten, Fragen zu hinterlegten Unterlagen beantworten oder einen wiederkehrenden Arbeitsablauf unterstützen.
Der praktische Gedanke dahinter ist leicht nachvollziehbar: Die Anforderungen werden einmal eingerichtet, statt sie bei jeder neuen Unterhaltung erneut vollständig erklären zu müssen.
Die jetzt angekündigte Umstellung betrifft diese konfigurierten Assistenten. Sie sollte nicht mit der Abschaltung eines bestimmten zugrunde liegenden Sprachmodells verwechselt werden.
Welche Termine OpenAI nennt
Die am 9. Oktober 2026 geprüfte Migrations-FAQ nennt folgende geplante Termine. [2]
26. Oktober 2026: Geplanter Stopp der Neuerstellung im beschriebenen Enterprise-Zeitplan.
11. Dezember 2026: Reguläre Einstellung der Custom GPTs.
11. Februar 2027: Verlängerter Termin ausschließlich für bestimmte Enterprise-Arbeitsbereiche mit genehmigtem Aufschub.
Termine und Umstellungsmöglichkeiten können vom Konto oder Arbeitsbereich abhängen. Eine Verlängerung ist nicht automatisch für alle vorgesehen. Maßgeblich ist die jeweils geltende Kontomitteilung. [2]
Der 26. Oktober ist insbesondere keine allgemeine Zusage, dass Privatnutzer bis dahin noch neue GPTs erstellen können. Die ebenfalls am 9. Oktober 2026 geprüfte GPT-Übersicht erklärt bereits, dass Neuerstellung und neue Veröffentlichung für persönliche Konten einschließlich Free, Go, Plus und Pro nicht verfügbar sind. Vorhandene GPTs bleiben zunächst nutzbar; für ihre Bearbeitung gelten weiterhin die jeweiligen Voraussetzungen. [3]
Wer mehrere Konten verwendet, sollte deshalb nicht nur eine allgemeine Nachricht lesen, sondern die Hinweise im tatsächlich betroffenen Konto prüfen.
Warum OpenAI diesen Schritt macht
Die offizielle Erklärung konzentriert sich auf eine andere Organisation der Funktionen.
OpenAI beschreibt Plugins als Pakete, die Anweisungen, wiederverwendbare Arbeitsabläufe und Verbindungen zu Anwendungen zusammenbringen. Die darin enthaltenen Skills legen beispielsweise fest, wie eine Aufgabe bearbeitet werden soll. Ein Plugin kann auch ausschließlich solche Anweisungen enthalten, ohne einen externen Dienst anzubinden. Das geht aus der am 9. Oktober 2026 geprüften Plugin-Dokumentation hervor. [4]
Bereits in der Produktvorstellung zu ChatGPT Work vom 9. Juli 2026 stellte OpenAI die Verbindung von ChatGPT mit Dateien, Anwendungen und mehrstufigen Arbeitsabläufen in den Mittelpunkt. Plugins sollen Informationen und Werkzeuge dort verfügbar machen, wo eine Aufgabe sie benötigt. [5]
Ich lese daraus einen Wechsel des Grundgedankens: Statt für verschiedene Zwecke jeweils einen eigenen Assistenten zu öffnen, sollen passende Fähigkeiten innerhalb der gemeinsamen Arbeitsumgebung bereitstehen.
Das kann sinnvoll sein. Bei einem Auftrag, der Recherche, Dokumente und andere Anwendungen verbindet, wäre es hilfreich, nicht ständig zwischen getrennten Assistenten wechseln zu müssen.
Eine ausführliche wirtschaftliche Begründung für die Abschaltung liefert OpenAI in den hierfür geprüften Ankündigungen allerdings nicht. Aussagen, die Entscheidung beruhe nachweislich auf zu geringer Nutzung, zu hohen Betriebskosten oder bestimmten Gewinnabsichten, lassen sich daraus nicht ableiten. Offiziell erläutert wird vor allem die neue Produktstruktur. [1][4][5]
Zwischen einer nachvollziehbaren technischen Richtung und einer gut umgesetzten Umstellung liegt dennoch ein Unterschied.
Was übernommen wird – und was nicht
OpenAI beschreibt folgende Übergabe: Anweisungen werden zu Skills, Wissensdateien zu Referenzmaterial. Eigene Actions werden nicht automatisch übertragen; auch die bisherige Modellauswahl geht nicht mit. Freigaben werden ebenfalls nicht übernommen, und das Ersatzplugin startet privat. Nach der Migration bleibt der ursprüngliche GPT bis zur Abschaltung nutzbar, wird aber schreibgeschützt. Bereits vorhandene GPT-Unterhaltungen sollen auch nach der Einstellung zugänglich bleiben. [2]
Übertragen wird die zuletzt veröffentlichte Version; Entwürfe und unveröffentlichte Änderungen gehen nicht mit. Das Anlegen des Plugins installiert es nicht automatisch und verschafft anderen Personen noch keinen Zugriff. [2]
Gerade die fehlende Übernahme eigener Actions ist keine Nebensache. Diese Schnittstellen können für einen Assistenten entscheidend sein: Ein System, das eine bestimmte externe Verbindung benötigt, erfüllt seinen Zweck nicht allein dadurch, dass seine Beschreibung und Unterlagen weiterhin vorhanden sind.
Ebenso würde ich bei einem geteilten Assistenten nicht nur mein eigenes Konto testen. Die entscheidende Frage lautet, ob auch die Menschen weiterarbeiten können, für die er eingerichtet wurde.
Für mich wäre eine Migration deshalb erst dann abgeschlossen, wenn die benötigten Aufgaben tatsächlich funktionieren. Eine erfolgreiche Übertragung einzelner Bestandteile wäre lediglich ein Zwischenschritt.
Was Nutzer im Internet kritisieren
Für diesen Beitrag habe ich öffentliche Diskussionen in der OpenAI-Entwicklercommunity, auf Reddit und einen journalistischen Erfahrungsbericht ausgewertet. Die Beiträge zeigen konkrete Sichtweisen und Erfahrungen. Sie sind keine repräsentative Befragung aller ChatGPT-Nutzer und keine unabhängige Bestätigung jedes geschilderten Fehlers.
Der spezialisierte Gesprächsrahmen könnte verloren gehen
In einer am 23. September 2026 begonnenen Diskussion in der OpenAI-Entwicklercommunity wird ein grundlegender Unterschied angesprochen: Ein Custom GPT sei für die betreffenden Nutzer nicht nur ein einzelner Arbeitsablauf, sondern eine bewusst ausgewählte Umgebung mit eigenen Anweisungen und Unterlagen. Die Sorge lautet, dass ein innerhalb des allgemeinen Chats aufgerufenes Plugin nicht dieselbe Verbindlichkeit über eine längere Unterhaltung hinweg bietet. [6]
Diese Kritik finde ich nachvollziehbar. Wer eine spezialisierte Umgebung öffnet, erwartet, dass deren Regeln für die Arbeit gelten. Ob das System intern modularer aufgebaut ist, hilft wenig, wenn der Nutzer ständig überprüfen muss, welcher Zusammenhang gerade berücksichtigt wird.
Die offizielle Plugin-Dokumentation beschreibt sowohl eine automatische Auswahl passender Plugins als auch deren gezielten Aufruf. Welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, hängt unter anderem von Tarif, Oberfläche und Arbeitsbereich ab. [4]
Damit ist nicht bewiesen, dass Plugins grundsätzlich unzuverlässiger arbeiten. Es erklärt aber, weshalb manche Nutzer mehr erwarten als eine technisch ähnliche Sammlung von Funktionen.
Für kleine Anbieter geht es um den Zugang ihrer Kunden
Eine weitere Diskussion vom 23. September 2026 richtet den Blick auf Selbstständige und kleine Unternehmen. Mehrere Beteiligte berichten, dass sie spezialisierte GPTs für Kunden eingerichtet oder deren Zugang verkauft haben. Ihre zentrale Sorge betrifft die weitere Bereitstellung: Eine gelungene Übertragung im eigenen Konto löse noch nicht die Frage, wie bisherige Kunden den Ersatz nutzen können. [7]
Die geschilderten Geschäftsmodelle und Supportkontakte lassen sich aus den Beiträgen nicht unabhängig überprüfen. Der darin formulierte Bedarf ist trotzdem klar: Wer anderen ein Werkzeug bereitgestellt hat, benötigt einen verlässlichen Weg, diese Nutzung fortzuführen.
Ich würde das nicht als bloße Abneigung gegen Veränderungen abtun. Ein neuer Name und eine neue Oberfläche sind das eine. Bestehende Arbeitsbeziehungen und zugesagte Leistungen sind etwas anderes.
Einzelne Nutzer melden ausgefallene Verbindungen
Am 4. Oktober 2026 beschrieb ein weiterer Teilnehmer der Entwicklercommunity eine nach seinen Angaben nicht mehr funktionsfähige E-Mail-Anbindung nach der Migration. Anweisungen und Wissensmaterial seien übernommen worden, die benötigte externe Verbindung jedoch nicht. Auch beim Wiederaufbau habe es Schwierigkeiten gegeben. [8]
Das ist ein konkreter Anwenderbericht, kein Beleg dafür, dass alle vergleichbaren Integrationen scheitern. Er zeigt aber, weshalb ein Test mit einer echten Aufgabe wichtiger ist als die bloße Feststellung, dass ein Plugin angelegt wurde.
Es gibt auch positive Erfahrungen
Die öffentlichen Reaktionen sind nicht einheitlich.
In der Diskussion vom 23. September 2026 berichtet ein anderer Teilnehmer, nach einer Kombination aus Plugin, überarbeiteten Anweisungen und einem Projekt eine vergleichbare Arbeitsweise erreicht zu haben. Teilweise seien die Ergebnisse sogar besser gewesen. Der Verfasser bezeichnet dies ausdrücklich als frühe Testerfahrung. [6]
Auch David Ramel schildert in seinem am 28. September 2026 veröffentlichten Erfahrungsbericht im Visual Studio Magazine eine schnelle und unkomplizierte Übertragung eines eigenen redaktionellen Assistenten. Zugleich weist er auf nicht übernommene Freigaben hin und hält weitere Prüfungen von Anweisungen, Referenzmaterial und Ergebnisqualität für erforderlich. [9]
In einer am 9. Oktober 2026 geprüften Reddit-Diskussion finden sich ebenfalls unterschiedliche Positionen. Einige Beteiligte betrachten Custom GPTs als wichtigen Bestandteil ihres Abonnements. Andere nennen Projekte als mögliche Alternative für ihre eigenen Aufgaben. [10]
Daraus würde ich weder ein allgemeines Scheitern noch eine bereits bewiesene Verbesserung ableiten. Entscheidend scheint mir die Art der bisherigen Nutzung zu sein: Ein Assistent mit einigen Schreibregeln stellt andere Anforderungen als eine Anwendung mit speziellen Datenquellen, externen Verbindungen und einem eigenen Nutzerkreis.
Was ich vor der Umstellung prüfen würde
Ich würde nicht mit dem wichtigsten Assistenten beginnen, sondern zunächst einen überschaubaren Anwendungsfall auswählen. Daran ließe sich feststellen, welche Arbeitsschritte tatsächlich nötig sind.
Zuerst die eigene Arbeit sichern. Dazu gehören für mich die selbst erstellten Anweisungen, die Originaldateien und eine kurze Beschreibung dessen, was der Assistent leisten soll. Eine solche Dokumentation wäre auch unabhängig von dieser Umstellung sinnvoll.
Anschließend mit bekannten Aufgaben vergleichen. Ich würde mehrere typische Anfragen und mindestens einen schwierigen Fall verwenden. Liefert der Ersatz die benötigten Informationen? Hält er das gewünschte Format ein? Bleibt das Ergebnis auch nach Rückfragen brauchbar? Ein überzeugender erster Satz wäre mir als Test nicht genug.
Zuletzt den tatsächlichen Zugang prüfen. Bei einem Werkzeug für Kollegen oder Kunden müsste der Test auch aus deren Sicht erfolgen. Ich würde erst umstellen, wenn klar ist, wie die berechtigten Personen es erreichen und verwenden können.
Wer lediglich einen fremden GPT nutzt, kann dessen Migration nicht selbst übernehmen. OpenAI verweist dafür auf die Hinweise des jeweiligen Erstellers und den Zugang zu dessen Ersatzangebot. [2]
Eine vorschnelle Entscheidung für einen anderen Anbieter würde ich ebenfalls vermeiden. Zuerst müsste feststehen, welche Eigenschaften unverzichtbar sind. Sonst wird womöglich nur ein Problem gegen ein anderes ausgetauscht.
Mein Fazit: Weiterentwicklung muss sich an der bisherigen Arbeit messen lassen
Ich halte es grundsätzlich für sinnvoll, Anweisungen, Unterlagen und Werkzeuge besser miteinander zu verbinden. Ein System darf sich weiterentwickeln. Es muss nicht jede frühere Oberfläche dauerhaft behalten.
Trotzdem überzeugt mich eine Umstellung nicht allein dadurch, dass der Nachfolger mehr Möglichkeiten verspricht.
Wer bisher mit einem einfachen Assistenten zuverlässig arbeiten konnte, sollte anschließend nicht zum Systemintegrator werden müssen, nur um denselben Zweck wieder zu erreichen. Und wer ein Werkzeug für andere aufgebaut hat, braucht Klarheit über Zugriff, Pflege und Verfügbarkeit.
Die ausgewerteten Reaktionen drehen sich deshalb nicht nur um Nostalgie. Sie betreffen die Frage, ob sich auf einer Plattform etwas aufbauen lässt, das auch nach der nächsten größeren Produktentscheidung noch trägt.
Ich würde OpenAI an einem praktischen Ergebnis messen: Können die bisherigen Nutzer ihre wesentlichen Aufgaben nach der Umstellung weiterhin erledigen, ohne unverhältnismäßig viel neu aufbauen zu müssen?
Neue Funktionen sind willkommen. Verlässlichkeit ist aber ebenfalls eine Produkteigenschaft.
Termine und Nutzerberichte
Recherchestand: 9. Oktober 2026. Angekündigte Termine, Funktionen und Zugangsmöglichkeiten können sich ändern. Wiedergegebene Nutzerberichte sind persönliche Erfahrungen und keine unabhängig bestätigten Aussagen über sämtliche Konten oder Anwendungen.
Quellen und weiterführende Informationen
[1] OpenAI: „ChatGPT release notes“
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[2] OpenAI: „Custom GPT retirement and migration FAQ“
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[3] OpenAI: „GPTs in ChatGPT“
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[4] OpenAI: „Plugins in ChatGPT“
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[5] OpenAI: „ChatGPT is now a partner for your most ambitious work“
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[6] OpenAI Developer Community: „Custom GPT → Plugin is not an equivalent migration“
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[7] OpenAI Developer Community: „OpenAI’s Custom GPT → plugin migration raises access concerns“
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[8] OpenAI Developer Community: „Custom GPT → Plugin migration removed critical Action integration with no supported credential replacement“
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[9] David Ramel, Visual Studio Magazine: „Hands-On With OpenAI’s Mandatory Custom GPT-to-Plugin Migration (Deadline Coming)“
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[10] Reddit, r/ChatGPT: „Custom GPTs are going away by December“
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